Do-it-yourself: Wie Kreativsein uns hilft abzuschalten

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Heutzutage bekommen wir überall alles. Warum also noch selbst malen, nähen oder basteln? Meist übersteigen die Materialkosten schon bei weitem den Preis, den das gleiche Produkt im Laden kostet. Doch trotz des riesigen Angebots nimmt der Do-it-yourself-Trend seit Jahren nicht ab. Immer mehr von uns finden zurück zum Gestalten und genießen förmlich etwas “mit den Händen“ selbst herzustellen. Weil ich selbst am besten beim Nähen abschalten kann, habe ich mir diesen Trend näher angeschaut und zeige Dir in einem Näh-Tutorial, passend zum Tag der Nähmaschine, die Anleitung für eine selbstgemachte Herrenfliege.

 

Warum sollte man sich in einer Zeit, wo man alles on- und offline zu beinahe jeder Tageszeit bekommt, die Mühe machen etwas selbst herzustellen? Einfach: Weil es Spaß macht und der Seele guttut.

 

Was uns das Selbermachen gibt

Es ist kein Geheimnis, dass wir alle das Gefühl haben, keine Zeit mehr zu haben, dass wir von einem Treffen zum nächsten hetzen und immer seltener zur Ruhe kommen. Dabei vergessen wir vor allem eines, beziehungsweise einen: Uns selbst. Die Quality Time mit Dir selbst ist sehr wichtig, um vom stressigen Alltag oder Problemen abschalten zu können. Du wirst gelassener, ruhiger, glücklicher und fühlst Dich dadurch auch schöner.

Egal, ob du kochst, backst, strickst oder malst. Du beschäftigst Dich mit Dir selbst und Deiner Kreativität. Die Aufmerksamkeit liegt voll und ganz auf dem was Du gerade tust. Dabei kreisen Deine Gedanken und ganz still und heimlich kommst Du zur Ruhe, entspannst und wirst nach der Fertigstellung deiner Kreation von einem angenehmen Glücksgefühl überrascht.

Der DIY-Trend hält sich seit Jahren, was vermutlich auch daran liegt, dass Social Media und Co. nicht nur Inspiration bieten, sondern auch den Austausch zwischen Gleichgesinnten unterstützen. Man inspiriert und hilft sich gegenseitig in Communitys und Interessen-Gruppen.

Doch gleichzeitig ist da noch der Nachhaltigkeitsaspekt, der nicht zu vernachlässigen ist. Warum immer gleich alles wegwerfen, wenn es nicht mehr gefällt? Man könnte doch auch etwas Neues daraus machen. Upcycling von Kleidung oder Möbeln ist nicht nur kostensparend, sondern macht dazu richtig Spaß.

Eine weitere Motivation, insbesondere bei Handarbeiten wie Nähen und Stricken, ist die Tatsache, dass man nachverfolgen kann, woher die Wolle oder der Stoff kommt. Einmal dem DIY-Fieber verfallen, wirst Du merken, wie schön es sich anfühlt, die Gewissheit zu haben, dass das was Du da geschaffen hast, mit echter Handarbeit und Liebe entstanden ist.

Letztendlich spielt auch der Wunsch nach Individualität eine große Rolle. DIY bietet die Möglichkeit seine eigenen Ideen umzusetzen und somit einzigartige Dinge zu kreieren.

 

Dein erstes Nähprojekt

Für mich persönlich ist meine Nähmaschine mein liebster Begleiter, wenn es darum geht etwas für mich selbst zu tun. Es fasziniert mich jedes Mal wie zu Beginn ein einfaches Stück Stoff vor mir liegt und nach einigen Stunden ein Kleidungsstück daraus wird.

Ich kann abschalten während des Nähens, konzentriere mich nur auf den Faden, die Naht und ob ich den Stoff wirklich richtig aufgelegt habe. In der Hoffnung die Naht nicht wieder auftrennen zu müssen.

Aber vor allem spornt mich dieses Gefühl an, das Selbstgenähte dann im fertigen Zustand in der Hand zu halten. Es fertig dort liegen zu sehen oder es, im Falle eines Kleidungsstücks, zu tragen. Es ist ein Gefühl von Stolz, ein kleiner Triumph, dass ich die Zeit genutzt habe und jetzt etwas Schönes, was ich alleine geschaffen habe, in der Hand halte.

 

Weil Nähen gar nicht so schwer ist, wie man denken mag, habe ich Dir meine „First Steps“ für Dein erstes Nähprojekt zusammengefasst:

 

Organisiere Dir eine Nähmaschine

Du musst Dir nicht gleich eine kaufen. Vielleicht leiht Dir eine Freundin, die Mutter oder die Oma eine an der du dich ausprobieren kannst.

Überlege Dir, was Du nähen willst

Beginne mit etwas Kleinem. Ein Kissen, eine Herrenfliege oder eine Hülle für Deinen Reisepass sind nur einige Beispiele für schnelle Nähprojekte. Im Internet wirst du sicher fündig. Vor allem die soziale Plattform Pinterest ist eine wahre Inspirationsquelle, auch für Näh-Einsteiger. Bücher und Zeitschriften bieten oft sehr detaillierte Nähanleitungen, die speziell für Anfänger verständlich geschrieben sind.

Lasse Dich in einem Fachgeschäft bei der Stoffauswahl beraten

Suche Dir in einem Geschäft Deinen Lieblingsstoff aus und lasse Dich beraten. Stoffe sind so vielseitig und die Experten im Geschäft haben sicher auch Einsteiger-Tipps zu Deinem Nähprojekt. Dort bekommst Du auch Nähzutaten, wie Garn und Knöpfe.

Loslegen!

Das Wichtigste ist, dass Du anfängst! Die Angst vor der unberechenbaren Nähmaschine und dem schönen Stoff, den man ja nicht zerstören will, ist manchmal groß. Doch ohne anzufangen, kommst du nicht ans Ziel. Zeichne den Schnitt, sofern Du einen hast, auf Back- oder Butterbrotpapier und schneide ihn aus. Dann legst Du ihn auf Deinen Stoff und folgst der Anleitung Deines Schnittmusters.

Helfen lassen

Falls Du mal nicht weiterkommst, empfehle ich Dir, sofern Du keinen Nähfachmann zur Hand hast, das Internet. Es gibt massig Videos und Tutorials zu Nähfragen aber auch zu Problemen mit der Nähmaschine.

Geduld haben

Zugegeben, man kann beim Nähen schon echt mal die Nerven verlieren – auch mehrmals. Da reißt der Faden in der Nähmaschine, man näht den Stoff falsch aufeinander und am Ende ist die Naht krumm. Aber ich glaube, das gehört einfach mit dazu. Und glaube mir, Du wirst von Nähprojekt zu Nähprojekt besser.

 

Näh-Tutorial Herrenfliege/Selbstbinder

Schnittmuster für einen Selbstbinder findest Du im Internet. Einmal ausgedruckt und abgemessen, kann es auch schon losgehen.

 

 

Step 1: Du brauchst ein Schnittmuster, Stoff, Vliesline, Garn, Kreide, Stecknadeln und eine Stoffschere.

Step 2: Lege das Schnittmuster auf die glatte Seite der Vlieseline und zeichne es auf. Wende das Schnittmuster am Ende der schmalen Seite und zeichne das Schnittmuster von der anderen Seite auf.

Step 3: Das gleiche machst du in zweifacher Ausführung auf dem Stoff. Male es auf der linken Seite (ist die Rückseite des Stoffes) auf.

Step 4: Schneide den Schnitt aus. Auf der Vliesline schneidest Du exakt an der Linie aus, beim Stoff schneidest Du etwa 1 cm neben der Linie aus (ist die Nahtzugabe).

Step 5: Bügle die Vliesline (gibt dem Stoff halt) auf die linke Seite einer der Stoffausschnitte. Achte darauf, dass die raue Seite der Vliesline (ist die Klebeseite) unten liegt und Du diese nicht mit dem Bügeleisen berührst. Ein angenässtes Tuch zwischen Stoff und Bügeleisen legen und mit etwas Druck etwa 10 Sekunden pro Stelle auflegen, so werden Vliesline und Stoff aneinandergeklebt.

Step 6: Lege beide linken Seiten der Stoffteile aufeinander und stecke sie auf der Linie mit Stecknadeln aufeinander.

Step 7: Nähe entlang der Linie mit einem geraden Stich. Lasse in der Mitte des Bandes auf einer Seite 6cm der Naht aus, da Du die Öffnung zum Umstülpen der Fliege brauchst.

Step 8: Die Stoffteile sind aneinander genäht.

Step 9: Die Fliege durch die Öffnung stülpen.

Step 10: Jetzt die Fliege bügeln.

Step 11: Das offene Stück mit einem geraden Stich zunähen.

Step 12: Der Selbstbinder ist so gut wie fertig.

Step 13: Jetzt noch binden und fertig!

 

Was ist Dein liebstes Hobby, um Zeit mit Dir selbst zu verbringen und einen Gang herunterzuschalten?

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